Mullit ist nach dem Ort seines Entdeckens, die Isle of Mull, Schottland, benannt und gehört zur großen Gruppe der Alumosilikate. Daneben kommt er auch in den basalthaltigen Schlacken mehrere Vulkane in der Eifel vor. Allerdings findet man ihn in der Natur nirgendwo in abbauwürdigen Mengen.
Mullit ist die einzige unter Normaldruck und hohen Temperaturen
stabile kristalline Verbindung im System
.
Seine Struktur kann man als fehlgeordente Sillimanit-Struktur
beschreiben, in welcher 19% der Brückensauerstoffatome zwischen den
und
Tetraedern fehlen [2]. Die Struktur
besteht aus eckenverknüpften Zweierketten von
und
Tetraedern. Diese Ketten sind untereinander durch
Oktaeder verknüpft. Eine genaue Diskussion über die Struktur
des Mullites findet sich in [3].
Die ersten Untersuchungen am Mullit wurden 1924 durchgeführt und
zeigten, daß Mullit der Zusammensetzung
bei einer
Temperatur von 1810°C inkongruent schmilzt. In jüngerer Zeit wurde
ein inkongruentes Schmelzen von Mullit bestätigt, allerdings erst bei
Temperaturen um 1890°C [4].
Mullit findet bei der Herstellung von Hochtemperaturbausteinen und infrarotdurchlässigen Fenstern Verwendung [5]. Mullit ist die wesentliche kristalline Komponente von Porzellan und bewirkt mit seinen feinen Kristallaggregaten die Festigkeit des Porzellans. Daneben wird er als Trägermaterial bei der Herstellung von Katalysatoren zur Abgasreinigung in Kraftfahrzeugen verwendet. Schamottsteine sind als feuerfester Werkstoff um so brauchbarer, je höher ihr Gehalt an Mullit ist [2].
Mullit wird klassischerweise durch Erhitzen geeigneter Mischungen von Ton (Kaolin) oder Quarzsand und calcinierter Tonerde bzw. Bauxit im Tunnel- oder Lichtbogenofen dargestellt. Dabei erhält man den sogenannten Sinter- bzw. Schmelzmullit. Er kann auch durch Sintern natürlich vorkommender Mineralien wie Kaolinit oder Sillimanit bei Temperaturen oberhalb von 1500°C gewonnen werden [2].
Für zahlreiche mögliche technische Anwendungen, wie zum Beispiel Faserbeschichtungen, sind Synthesebedingungen mit solch hohen Temperaturen jedoch ungeeignet, da technisch verfügbare Fasern diesen Temperaturen nicht standhalten. Als alternative Synthesemethode für die keramische Matrix in solchen Verbundwerkstoffen hat sich deshalb in letzter Zeit das Sol-Gel-Verfahren herausgebildet.