Im TOCSY -Spektrum (Abbildung A.11) der Probe beobachtet man sieben verschiedene Spinsysteme, welche sich folgenden Resten zuordnen lassen: Freies 2-Butanol (f-B), gebundenes Tetraethoxysilan (T), Ethanol (Et-OH), freies und gebundenes iso-Propoxyethanol (Pr, X-Pr) sowie koordinierte Propionsäure (P).
Im
-Spektrum (Abbildung 3.12) des Systems erkennt man
zwei Resonanzen mit einer Breite von etwa 4000 Hz bei 1 ppm und bei
54 ppm. Dies deutetet auf Aluminium der KZ 6 und 4 hin, wobei die KZ 6
deutlich überwiegt. Die Linie bei 1 ppm besitzt eine Schulter bei
etwa 4 ppm, was auf verschiedene Konfigurationen des
sechsfach koordinierten Aluminiums hinweist. Die für sechsfache
Koordination ungewöhnlich Breite Linie im
-Spektrum ist ein
Hinweis auf eine extrem verzerrte Koordinationsgeometrie an diesen
Zentren.
In
NMR-Messungen des getrockneten Gels wird eine solche
vierfache Koordination jedoch nicht beobachtet [6]. Während der
Geltrocknung müssen sich alle vierfach koordinierten Zentren in solche
mit sechsfacher Koordination umgewandelt haben. Propionsäure, die
den höchsten Siedepunkt im vorliegenden System besitzt, wird sich
während des Trockenvorgangs im Gel anreichern. Daher ist zu vermuten,
daß die sechsfache Koordinationssphäre der Aluminiums aus Propionsäure
gebildet wird.
Das
-Spektrum (Abbildung A.8) zeigt deutlich die
Hydrolyse des Tetraethoxysilans. Die einzelne Resonanz des TEOS bei
82,5 ppm ist weitgehend zugunsten von zahlreichen Resonanzen zwischen
-78 und 92 ppm verschwunden. Es könnte sich dabei nach [5]
sowohl um von Silizium als auch von Aluminium umgebene
-Gruppen handeln.
Daneben läßt sich auch noch unhydrolysiertes Tetraethoxysilan nachweisen (Die Signale 6 und 7 in Tabelle 3.5). Im Gegensatz zur Aluminiumnitratfreien Hydrolyse (siehe vorhergehenden Abschnitt) ändert sich die Konfiguration der Carbonylgruppen der Propionsäure durch die Hydrolyse nicht. Offensichtlich werden durch die Hydrolyse nur die 2-Butanolreste aus dem Komplex verdrängt. Die frei werdenden Positionen werden durch Propionsäure besetzt.
Bei dem bisher noch nicht beobachteten AB-Spinsystem (die Signale 13
und 14 in Tabelle 3.5) handelt sich um
freigesetztes iso-Propoxyethanol. Die Signale des C-1 und C-2 bei 3,7
und 3,5 ppm dieser Verbindung werden durch andere Signale überlagert.
Bei 7,2 ppm beobachtet man im
-Spektrum die Resonanz des
Säureprotons der Carbonsäure.
Somit läuft die Hydrolyse ohne zusätzliche Gabe von Aluminium nach einem gänzlich anderen Muster. Während bei der Hydrolyse mit reinem Wasser Propionsäure aus dem Komplex freigesetzt wird und Wasser mit der Aluminiumkomponente reagiert, wird in der vorliegenden Probe sowohl Tetraethoxysilan als auch der Aluminiumkomplex hydrolysiert. Ersteres erkennt man am freigesetzten Ethanol, letzteres am freigesetzten iso-Propoxyethanol.
Die Ergebnisse der Diffusionsmessungen, dargestellt in Abbildung
3.13, zeigen, daß in Lösung freies 2-Butanol (D=8,2
) und
freies iso-Propoxyethanol (D=7,9
) vorhanden sind. Die restlichen
Komponenten weisen mit Ausnahme der Propionsäure eine
Diffusionskonstante von etwa 7,0
auf. Für Propionsäure wird eine
Diffusionskonstante von 6,0
beobachtet. Insgesamt sind jedoch
alle Diffusionskonstanten ähnlich.
Im
unterschieden sich die Diffusionskonstanten um einen
Faktor von zwei, hier nur um etwa 30 Prozent. Dies ist ein klarer
Hinweis darauf, daß sich ein raumausfüllendes Netzwerk, stabilisiert
durch nichtkovalente Wechselwirkungen, gebildet hat.
In einer möglichen supramolekularen Struktur (Abbildung 3.14) werden die Silizium- und Aluminiumkomponenten getrennt vorliegen. Diese beiden Elemente werden durch Propionsäureeinheiten über Wasserstoffbrückenbindungen verknüpft. In den sich dabei bildenden Lücken können 2-Butanol und iso-Propoxyethanol eingebaut werden. Ein solches Modell erklärt sowohl die insgesamt homogene Verteilung der Diffusionskonstanten als auch die etwas schnellere Diffusion von iso-Propoxyethanol und 2-Butanol. Nebem dem oktaedrisch von Propionsäure umgebenen Aluminium liegt auch noch ein Teil tetraedrisch koordiniert vor.