Im Rahmen der Untersuchungen wurden zur Modifizierung der
Aluminiumkomponente Aluminiumsekundärbutylat (
), Propionsäure und
iso-Propoxyethanol verwendet. Die gewählte Siliziumkomponente
Tetramethoxysilan wurde ohne weitere Modifikation eingesetzt.
Zur Interpretation der gemessenen Spektren der keramischen Vorstufe ist es wichtig, sich zuvor ein genaues Bild über die Eigenschaften der Ausgangs- bzw. Zwischenprodukte zu machen. Deswegen wurden von den in Frage kommenden Substanzen die entsprechenden NMR-Spektren angefertigt.
Um eine bestmögliche Vergleichbarkeit der chemischen Verschiebungen der Vorstufen mit denen des Endproduktes zu erreichen, wurden auch von den einfachen Ausgangsverbindungen NMR-Spektren aufgenommen. Dabei wurde unter ähnlichen Bedingungen, wie später die Spektren der Zwischen- und Endprodukte, gemessen.
Alle Messungen wurden an einem Bruker DPX-250 bzw. DMX-500 mit 250 bzw. 500 MHz Protonenresonanzfrequenz in 50% Deuterochloroform bei einer Temperatur von 300 K (27°C) durchgeführt. Zur Referenzierung wurde 1% Tetramethylsilan (TMS) hinzugefügt.
In den folgenden Abschnitten werden die Spektren der verwendeten einfachen, d.h. aluminiumfreien Ausgangsprodukte dargestellt. Im darauffolgenden Teil wird Aluminiumsekundärbutylat vorgestellt.
In Abbildung 3.2 werden die Strukturen der verschiedenen im Rahmen dieser Untersuchung relevanten Verbindungen und Reste mit ihrer Struktur, ihrem Namen sowie verwendeten Abkürzungen vorgestellt. Zur Beschreibung der Zuordnung der einzelnen Protonensignale wird im folgenden immer die Nummer des an sie gebundenen Kohlenstoffatoms genutzt.
Das Verhalten des
-Spektrums von Aluminiumsekundärbutylat wurde
bereits mehrfach untersucht [22]. Um die beachtliche
Linienbreite aufgrund des Quadrupolomentes des Aluminiumkerns zu
reduzieren, schlägt O. Kriz [22] die Messung der
-Spektren
bei relativ hohen Temperaturen von etwa 70°C vor und beschreibt die
entsprechenden Strukturen verschiedener Aluminiumalkoholatkomplexe.
Um zu untersuchen, ob die bei 70°C gemessenen Spektren auch signifikant
für die bei Raumtemperatur vorliegenden Strukturen sind, wurden
Messungen, sowohl der
-Spektren als auch der
-Spektren bei verschiedenen
Temperaturen durchgeführt. Dieselbe Probe wurde dabei schrittweise
erhitzt und auch wieder abgekühlt.
Das
-Spektrum (Abbildung 3.3) bei 300 K zeigt zwei
breite Resonanzen bei 30 bzw. 60 ppm, sowie eine schmale Linie bei
etwa 0 ppm.
Eine Temperaturerhöhung auf 330 K bewirkt eine Verringerung der Linienbreite. Dadurch tritt die Linie bei 30 ppm immer deutlicher hervor. Gleichzeitig scheint jedoch der Anteil der Resonanz bei etwa 60 ppm zu steigen. Gemäß [22] entspricht eine Linie bei etwa 0 ppm Aluminium der Koordinationszahl (KZ) 6, bei 30 ppm der KZ 5 und bei 60 ppm der KZ 4. In Aluminiumsekundärbutylat liegen demnach Aluminiumatome mit vier, fünf und sechsfacher Koordination vor.
Eine Integration der einzelnen Resonanzen könnte Aufschluß über die stöchiometrischen Verhältnisse bringen. Leider ist dies nicht möglich, da sich die einzelnen Resonanzen zu stark überlagern.
Qualitativ betrachtet scheint jedoch Aluminium der KZ 4 oder 5 die Struktur zu beherrschen. Auch sind die Veränderungen im Spektrum, welche auf die Temperaturerhöhung zurückgehen, reversibel.
Das
-Spektrum (Abbildung 3.4) zeigt vier
Linienpaare, bei [10,0, 10,2], [21,5, 24,5], [31,5, 34,0] und [69,7,
73,0] ppm. Jedes Paar besteht aus einer Linie höherer und niedriger
Intensität. Die Lage dieser Linienpaare entspricht in etwa den vier
Resonanzen des
-Spektrums des 2-Butanols (siehe Abschnitt
3.2.1). Die Linienpaare könnten also folgenden
Kohlenstoffatomen zweier verschiedener, an Aluminium gebundene
2-Butoxyreste, zugeordnet werden: C-4 [10,0, 10,2], C-1 [21,5, 24,5],
C-3 [31,5, 34,0] und C-2 [69,4, 73,0] ppm.
Das Intensitätsverhältnis (Integral) der beiden Linien eines Paares
ist für alle Paare innerhalb des Meßfehlers gleich (etwa 5:3,8 bei
300K). Eine Temperaturerhöhung bewirkt verschiedene Effekte, welche
auf chemischen Austausch hindeuten. Es läßt sich eine deutliche
Zunahme der Linienbreite im
-Spektrum beobachten und es sinkt der
Anteil der Spezies geringerer Intensität, welches sich im geänderten
Intensitätsverhältnis von 5:3,5 niederschlägt. Gleichzeitig wandern
die Signale eines Paares aufeinander zu. Dies deutet auf einen
chemischen Austausch der zwei verschiedenen 2-Butoxyreste hin. Das bei
erhöhter Temperatur beobachtete Spektrum entspricht dann dem
zeitlichen Mittel der Spektren dieser zwei verschiedenen Formen.
Ein Vergleich des vor und nach dem Erwärmen aufgenommen
-Spektrums
zeigt, daß der hier beobachtete Vorgang, wie schon bei der Analyse der
-Spektren festgestellt, auch in Bezug auf die
-Resonanzen
reversibel ist.
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O. Kriz [22] schlägt für das
bei 70°C (343 K) eine
trimere Struktur vor. In dieser sind fünf endständige und vier
verbrückende Alkoxygruppen zu unterscheiden. Die gezeigten
-Spektren
bei 300 K weisen ein dieser Struktur entsprechendes Verhältnis der
Signalintensitäten (5:3,8) der einzelnen Paare auf. Demnach wären die
Signale höherer Intensität einem terminalen, endständigen
2-Butoxyrest, die niedriger Intensität einem verbrückenden
2-Butoxyrest zuzuschreiben. Allerdings ist der beobachtete Anteil an
verbrückender Spezies etwas geringer als der erwartete.
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Daraus ist zu folgern, daß das
bei 25°C im wesentlichen als
Trimer vorliegt. Gleichzeitig ist aber davon auszugehen, daß eine an
verbrückenden 2-Butoxyresten ärmere Spezies mit dem Trimer im
Gleichgewicht steht. Hierfür kommt eine dimere Struktur in Frage. Man
kann also folgende Gleichgewichtsreaktion formulieren:
| (3.2) |
In Übereinstimmung mit dieser These sieht man im
-Spektrum auch
fünf- und vierfach koordiniertes Aluminium. Das Signal im
-Spektrum
bei 0 ppm, d.h. die sechsfache Koordination ist wahrscheinlich auf
teilhydrolysiertes
zurückzuführen. Eine Temperaturerhöhung
bewirkt, daß sich in zunehmender Weise je zwei Trimere in drei Dimere
umwandeln. Dies läßt sich im
-Spektrum als Zunahme der vierfachen
Koordination messen. Diese Beobachtung zeigt, daß die Ergebnisse von
Kriz nur einen Ausschnitt aus den möglichen Strukturen des
Aluminiumsekundärbutylats beschreiben.
Im Protonenspektrum, welches mit Hilfe eines HMQC -Spektrums
(Abbildung 3.5, A.1) und eines TOCSY -Spektrums
(Abbildung A.2) zugeordnet wurde, fällt auf, daß die beiden
Protonen der
-Gruppe der 2-Butoxyreste im
-Spektrum
unterschiedliche Resonanzlagen (a ,b) aufweisen. Während der
Signalabstand für die verbrückende Position 0,5 ppm beträgt,
beobachtet man für die terminale Position einen Abstand von 0,1 ppm.
Dieser Abstand entspricht dem im freien 2-Butanol beobachteten. Die
große Aufspaltung im verbrückenden Fall ist ein Hinweis auf eine
massive Veränderung der lokalen Geometrie an der Methylgruppe im
Vergleich zu der des freien 2-Butanols.
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Aus den o.g. Beobachtungen läßt sich zusammenfassend folgern, daß
bei Raumtemperatur im wesentlichen als dreikerniger
Aluminiumkomplex vorliegt. Eine Temperaturerhöhung bewirkt, daß sich
zunehmend ein zweikerniger Aluminiumkomplex bildet.
Da die Vorstufen der Keramik in einem industriellen Prozeß eingesetzt
werden sollten, wurde auch die Lagerstabilität des
untersucht. Es wurden dazu in regelmäßigen Abständen Proben entnommen
und vermessen. Aluminiumsekundärbutylat wurde nach dem Öffnen der vom
Hersteller bezogenen Flasche im Kühlschrank bei 8°C gut verschlossen
aufbewahrt.
Im Vergleich zum
-Spektrum des frischen
(Abbildung
3.4) erkennt man im
-Spektrum der gealterten Probe
(Abbildung 3.7) vier zusätzliche Resonanzen bei 11,3 ppm, 24,3 ppm, 33,7 ppm und
69,5 ppm.
Gleichzeitig beobachtet man im
-Spektrum (Abbildung
3.7) eine zusätzliche Resonanz bei 6 ppm, welche
Aluminium der Koordinationszahl 6 zuzuordnen ist. Insgesamt ähnelt
das
-Spektrum dem des
bei 330 K. Diese Änderungen sind
wahrscheinlich auf eine langsame Hydrolyse durch Luftfeuchtigkeit
zurückzuführen.
Eine langsame Hydrolyse könnte somit zur Bildung einer dimeren Spezies
führen. In einem solchen Molekül sind die verbrückenden Positionen durch
Hydroxygruppen besetzt (Abbildung 3.6). Das bei dieser
Reaktion frei werdende 2-Butanol beobachtet man als die o.g.
zusätzlichen
-Resonanzen. Die beobachtete sechsfache Koordination
des Aluminiums könnte von einer stabilen Zwischenstufe der Hydrolyse
stammen. Dabei könnte es sich um eine tetramere Variante handeln.
Erste Anzeichen der Veränderungen konnten bereits zwei Wochen nach
Öffnen einer frischen Flasche
beobachtet werden. Verwendet
man eine solche gealterte Probe zur Synthese der Vorstufen, werden die
NMR-Ergebnisse nicht mehr reproduzierbar. Je nach Alterungsgrad des
eingesetzten
wurden unterschiedliche Reaktionsprodukte
beobachtet.
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Deswegen wurde bei der anschließenden Präparation der Proben für die
NMR-Untersuchungen darauf geachtet, kein
zu verwenden, dessen
Behälter länger als zwei Wochen geöffnet war.