Es ist seit langem bekannt, daß sich mit Hilfe von
Magnetfeldgradienten Diffusionskonstanten in Lösung mittels NMR
bestimmen lassen [23]. Grundlage ist ein Spin-Echo-Experiment,
wie es auch zur Messung von
-Zeiten benutzt wird. Auf Grund von
Magnetfeldinhomogenitäten tritt nach dem 90°-Puls eine Auffächerung der
Magnetisierungsvektoren auf. Ein 180°-Puls nach
einer Zeit
bewirkt eine Refokussierung der
Magnetisierungsvektoren, welche nach
abgeschlossen ist. Auf
diese Art und Weise kann man Intensitätsverluste aufgrund statischer
Magnetfeldinhomogenitäten bei der Messung verhindern.
Zur Bestimmung von Diffusionskonstanten mittels NMR nutzt man gerade
diesen Intensitätsverlust auf Grund eines inhomogenen Magnetfeldes
aus. Abbildung 2.2 zeigt ein Pulsprogramm für die
Messung von Diffusionskonstanten mittels NMR-Spektroskopie. Stört man
das Magnetfeld
zur Zeit
und
mit einem
Magnetfeldgradienten, so wird sich bei einem ortsfesten Kern die
Signalintensität, wie oben gezeigt, nur um den Beitrag der
Spin-Spin-Relaxation ändern.
Wandert der Kern allerdings auf Grund von Diffusion entlang des
Magnetfeldgradienten an einen anderen Ort, so kann die Refokussierung
nicht mehr vollständig gelingen, da sich das Magnetfeld am neuen Ort
des Kerns verändert hat. Die durch Diffusion verringerte
Signalintensität
ist von der Gradientenstärke
, der
Gradientenpulsdauer
, der Zeitkonstanten
sowie der
Diffusionskonstanten
abhängig:
Nach Gleichung 2.8 hat man verschiedene Möglichkeiten,
ein Experiment zur Bestimmung der Diffusionskonstanten durchzuführen.
Dazu kann man die Gradientenstärke
, die Gradientenpulsdauer
oder die Diffusionszeit
variieren.
Auf diese Art und Weise kann man
für jede einzelne Resonanz im
Spektrum bestimmen. Für alle Resonanzen eines Moleküls sollten identische
Werte für
erhalten werden. Daher kann man solche Messungen allgemein
zur Selektion von Resonanzen mittels Diffusionskonstanten benutzen.
In der vorliegenden Arbeit wurde diese Technik zur Mischungsanalyse benutzt,
um die Resonanzen der einzelnen Bestandteile voneinander zu trennen und
diesen zuzuordnen.
Während der Untersuchungen hat sich jedoch herausgestellt, daß die oben beschriebene Vorgehensweise nur zu unbefriedigenden, nicht reproduzierbaren Ergebnissen führt. Das Gelingen der Messung hängt entscheidend von Qualität und Stärke der verwendeten Gradienten ab.
Beide Gradientenpulse müssen absolut identisch in Form und Intensität
über alle Meßzyklen sein. Bei starken Pulsen, wie sie zur Bestimmung
von
benötigt werden, tritt zudem eine Störung der Magnetfeldes
auch noch nach dem Abschalten des Gradienten auf. Daher wirkt der
erste Gradientenpuls effektiv länger als der zweite, welches zu einer
unvollständigen Refokussierung der Magnetisierung durch den 180°-Puls
führt.
Es wurde eine Reihe unterschiedlicher Experimente durchgeführt, wobei sowohl geeignete Eichsubstanzen als auch schwieriger zu handhabende viskose Lösungen von Alumiumsilikaten untersucht wurden. Systematische Fehler können dabei durch Konvektion und chemischen Austausch enstehen. Eine deutliche Begrenzung erfährt die Bestimmung von Diffusionskonstanten mittels NMR durch die beschleunigte Spin-Spin-Relaxation wenn die Moleküle groß sind und die Viskosität erhöht ist. In diesen Fällen dominiert die unerwünschte Abnahme der Magnetisierung durch Relaxation über die beobachtbare Abnahme durch Diffusion. Daher bieten in einer solchen Situation Pulssequenzen einen Vorteil, die während eines möglichst großen Teils der Diffusionszeit die Magnetisierung in Richtung der z-Achse halten. So kann der Spin-Spin-Relaxationsanteil im Signalverlust minimiert werden und gleichzeitig der Diffusionsanteil durch längere Diffusionszeiten erhöht werden.
Johnson et al.[24] haben ein Experiment entwickelt, in welchem
sich Effekte durch nicht perfekte Gradientenpulse und
-Relaxation mit
Gradientenpulsen unterschiedlicher Vorzeichen entscheidend reduzieren lassen.
Die Pulssequenz in Abbildung 2.3 besteht aus einer Folge von zwei Spin-Echo Sequenzen. Die 90°-Pulse am Ende der ersten Sequenz und am Anfang der zweiten Folge dienen zum ``speichern'' bzw. ``auslesen'' der Magnetisierung. Das Signal wird bei dieser Vorgehensweise mehrmals durch Diffusion modifiziert. Diffusion wirkt, wie oben gezeigt, während der zwei Spin-Echo-Sequenzen. Durch den Gradientenpuls in umgekehrter Richtung wird die Magnetisierung jedoch nicht wieder fokusiert sondern noch weiter dephasiert. Der anschließende 90°-Puls bewirkt eine Drehung der Magnetisierungsvektoren aus der transversalen XY-Ebene in die longitudinale XZ-Ebene und wird so gegen Spin-Spin-Relaxation geschützt.
Während der nun folgenden Diffusionszeit tritt keine weitere Dephasierung der Magnetisierung ein. Durch die zweite Sequenz wird die Magnetisierung wieder in der transversalen Ebene refokusiert und anschließend detektiert. Die Refokusierung gelingt um so besser, je weniger sich das B-Feld am Ort des Kerns geändert hat.
Insgesamt führt diese Vorgehensweise zu einer wesentlich längeren
Diffusionszeit
. Der Einfluß der Diffusion auf die
Signalintensität wird größer im Vergleich zur einfachen Sequenz und
ist somit mit höherer Genauigkeit zu bestimmen. In einem solchen
Experiment wird die Signalintensität
als Funktion der
Gradientenstärke
durch Gleichung 2.9
beschrieben:
Bei der Durchführung eines derartigen Experiments hält man
zweckmäßigerweise die zeitliche Abfolge des Experimentes konstant.
Denn neben des Intensitätsverlustes aufgrund der Diffusion wird
während der Zeit
Spin-Spin Relaxation stattfinden. Bei
konstantem zeitlichen Verlauf des Experiments ist der Beitrag der
Spin-Spin Relaxation immer gleich und braucht deshalb nicht weiter
berücksichtigt zu werden. Die einzige zeitunkritische Variable in
Gleichung 2.9 ist die Gradientenstärke
.
Zur Bestimmung von
nimmt man daher einige 1D-Spektren mit
unterschiedlicher Gradientenstärke
auf. Trägt man den Logarithmus
der Signalintensität als Funktion von
auf, so ergibt sich nach
Gleichung 2.9 eine Gerade mit der Steigung m:
![]() |
(2.10) |
Diese Steigung läßt sich leicht durch lineare Regression bestimmen. Aus
kann man dann
berechnen. Solche Messungen lassen sich
prinzipiell mit allen NMR-aktiven Kernen einer Probe durchführen.
Führt man eine solche lineare Regression an allen Datenpunkten des
Spektrums durch, deren Intensität über dem Rauschen liegt, erhält man
ein Diffusionsspektrum, welches die Diffusionskonstante
oder die
Steigung
als Funktion der chemischen Verschiebung darstellt.
Linien gleicher Höhe entsprechen in dieser Darstellung gleichen Diffusionskonstanten und gehören somit mit hoher Wahrscheinlichkeit zu dem selben Molekül. Damit steht eine einfache Methode zur Analyse von Mischungen mittels NMR-Spektroskopie zur Verfügung.
Vor der eigentlichen Bestimmung von Diffusionskonstanten mit Hilfe
eines solchen Experiments an den Vorstufen mullitischer Keramiken
mußte die Methode an einem System mit bekannter
Diffusionskonstante
überprüft werden. Auf Grund der Verfügbarkeit
und der vorhandenen Vergleichswerte aus der Literatur [16]
wurde Tetrahydrofuran (THF) gewählt.
Die Gradientenstärke wurde in einem Bereich von
bis
variiert (
). Für die beiden Resonanzen des THF im Protonenspektrum bei
3,60 und 1,78 ppm wurden jeweils getrennt die Diffusionskonstanten bei
298 K bestimmt:
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|||
![]() |
|||
![]() |
Die gemessenen Werte liegen etwa 30% unter dem Literaturwert. Eine Ursache könnte in einem unzureichend kalibrierten Gradientensystem liegen.
Es war aus meßtechnischen Gründen jedoch nicht möglich, genauere
Ergebnisse zu erzielen. Wichtig für die Identifikation einzelner
Moleküle in einer Mischung, welche die zu untersuchenden
supramolekularen Systeme darstellen, ist eine Vergleichbarkeit der
Steigung
für die einzelnen Resonanzen eines Moleküls. Nur dann
lassen sich Diffusionsmessungen erfolgreich bei der Analyse von
supramolekularen Systemen einsetzen.
|
Diese Vergleichbarkeit ist bei den Messungen an THF eindeutig gegeben.
An THF wurde auch untersucht, ob sich auch
als Diffusionssonde
eignet. Dies ist bei der Untersuchung der supramolekularen Vorstufen
wünschenswert, da im
-Spektrum die Resonanzen im Vergleich zu den
-
Signale besser voneinander getrennt sind. Dazu mußte die Pulssequenz
in Abbildung 2.3 dahingehend modifiziert werden, daß
während der Akquisition eine Entkoppelung der Protonen durchgeführt
wurde. Man erhält dabei um einen Faktor von zwei kleinere
Diffusionskonstanten, nämlich:
![]() |
|||
![]() |
Somit können prinzipiell
und
Kerne als Sonden zur Analyse
komplexer Mischungen verwendet werden.